Zisternengröße berechnen: Ertrag trifft Bedarf
Berechne die passende Zisternengröße aus Regenwasserertrag und Brauchwasserbedarf - als Bandbreite mit Deckungsgrad, nicht als Scheinpräzision.
Die passende Zisternengröße ergibt sich aus zwei Vorwerten: dem nutzbaren Regenwasserertrag deines Dachs und dem jährlichen Brauchwasserbedarf. Dieser Rechner führt beide Werte zusammen und zeigt das empfohlene Nutzvolumen als Bandbreite mit Deckungsanteil. Er ersetzt keine Fachplanung, hilft aber, eine zu kleine oder unnötig große Zisterne früh zu erkennen.
Vorwerte aus zwei Rechnern übertragen
Trag zuerst den Jahresertrag aus dem Regenwasserertrags-Rechner ein. Dieser Wert beschreibt, wie viele Kubikmeter Wasser im durchschnittlichen Jahr am Zisterneneingang ankommen - nach Dachart, Jahresniederschlag, Abflussbeiwert und Filterverlust.
Danach übernimmst du den Jahresbedarf aus dem Brauchwasserbedarfs-Rechner. Er beschreibt, wie viel Regenwasser Haus und Garten pro Jahr voraussichtlich nutzen können. Die Rechner übergeben ihre Ergebnisse nicht automatisch; kopiere die beiden Jahreswerte deshalb manuell in die Felder „Jahresertrag” und „Jahresbedarf”.
Eingaben
Jahresertrag und Jahresbedarf stehen beide in m³/Jahr. Für die Speichergröße zählt der kleinere der beiden Werte: Ein Tank, der mehr Wasser speichern könnte als übers Jahr anfällt, wird nie zuverlässig gefüllt. Umgekehrt bringt ein sehr großer Ertrag wenig, wenn der Bedarf deutlich kleiner ist.
Die angenommene Trockenperiode steuert die obere Grenze der Bandbreite. Der Rechner erlaubt 21 bis 28 Tage ohne nennenswerten Regen. 24 Tage ist nur die Mitte dieser Spanne, kein Normwert und keine Wetterprognose. Wer trockenere Sommer am Standort einkalkulieren will, setzt den Wert näher an 28 Tage; wer den Speicher kompakter halten möchte, bleibt näher an 21 Tagen.
Ergebnis
Ausgegeben werden drei Speicherwerte und ein Deckungsanteil. Die Untergrenze folgt dem 6-%-Ladebeiwert, die Obergrenze aus dem Tagesbedarf während der angenommenen Trockenperiode. Der Mittelwert dazwischen ist eine praktische Orientierung für das Nutzvolumen, nicht der einzig richtige Tank.
Bei 54,0 m³ Jahresertrag, 59,9 m³ Jahresbedarf und 21 Tagen Trockenperiode liegt die Bandbreite bei rund 3,24 bis 3,45 m³ Nutzvolumen; der Mittelwert beträgt etwa 3,34 m³. Der Deckungsanteil liegt bei rund 90 %. Das heißt: Rechnerisch kann der Ertrag etwa neun Zehntel des angesetzten Bedarfs decken. Es heißt nicht, dass an jedem Tag genug Wasser verfügbar ist.
Rechenweg
Kleinerer Jahreswert [m³] = min(Jahresertrag, Jahresbedarf)
Untergrenze [m³] = kleinerer Jahreswert × 0,06
Tagesbedarf [l/Tag] = Jahresbedarf × 1.000 / 365
Obergrenze [m³] = Tagesbedarf × Trockenperiode / 1.000
Empfohlenes Nutzvolumen = (Untergrenze + Obergrenze) / 2
Deckungsanteil [%] = kleinerer Jahreswert / Jahresbedarf × 100
Die beiden Bemessungswege sind rechnerisch eng verwandt: 0,06 × 365 Tage ergibt 21,9 Tage. Deshalb zeigt der Rechner bewusst eine Spanne aus 6-%-Regel und Trockenperiodenansatz statt eine scheinbar exakte Einzelzahl. Der Ladebeiwert 0,06 stammt aus frei zugänglicher Fachliteratur zur Regenwassernutzung; er wird hier als praxisübliche Bemessungsregel verwendet, nicht als zitierter Normwert nach DIN 1989-100.
Nutzvolumen ist nicht Nennvolumen
Das Ergebnis beschreibt das nutzbare Speichervolumen. Ein realer Tank ist nicht bis zur Oberkante nutzbar: Überlauf, beruhigter Zulauf und Restwasser über der Pumpe brauchen Platz. Deshalb kann das gekaufte Nennvolumen größer ausfallen als der hier berechnete Nutzwert. Einen pauschalen Umrechnungsfaktor setzt diese Seite nicht an, weil dafür kein belastbarer Beleg vorliegt.
Grenzen der Rechnung
Der Deckungsanteil bewertet nicht, ob eine Anlage „gut” oder „schlecht” ausgelegt ist. Er zeigt nur, welcher Anteil des Jahresbedarfs rechnerisch aus Regenwasser gedeckt werden kann. Einen belegten Zielwert für einen guten Deckungsanteil gibt es im verwendeten Referenzmaterial nicht.
Die Rechnung arbeitet außerdem mit Jahreswerten. Sie kennt keine Monatsverteilung, keine Serie trockener Wochen, keine Tankgeometrie und keine Priorisierung zwischen WC, Waschmaschine und Garten. Für eine erste Größenordnung ist das angemessen; für genehmigungsrelevante Planung, Hausanschluss und Ausführung bleibt ein Fachbetrieb maßgeblich.
Weiterrechnen
Nach der Speichergröße folgt die Pumpenauslegung: Entscheidend ist dann nicht mehr die Jahresmenge, sondern welche Förderhöhe und welcher Volumenstrom an der Entnahmestelle ankommen müssen. Der nächste Rechner der Kette ist die Pumpen-Förderhöhe und Leistung.
Quellen
DIN EN 16941-1:2024-05, Vor-Ort-Anlagen für Nicht-Trinkwasser — Teil 1: Regenwasser
Ladebeiwert 0,06 und Trockenperiode 21 bis 28 Tage
Häufige Fragen
Wie groß sollte eine Regenwasserzisterne sein?
Eine Regenwasserzisterne sollte so groß sein, dass sie zum kleineren Wert aus jährlichem Regenwasserertrag und jährlichem Brauchwasserbedarf passt. Der Zisternengrößen-Rechner nutzt deshalb beide Vorwerte und gibt eine Bandbreite aus, keine einzelne Scheingenauigkeit.
Für die erste Orientierung brauchst du drei Größen: den nutzbaren Jahresertrag vom Dach, den jährlichen Bedarf für Haus und Garten und eine angenommene Trockenperiode. Der Ertrag kommt aus Dachfläche, Niederschlag, Dachart und Filterverlust. Der Bedarf hängt davon ab, ob Regenwasser nur für Gartenbewässerung oder auch für WC, Waschmaschine und Reinigung angesetzt wird.
Ein großer Tank löst nicht jedes Problem. Wenn der Bedarf deutlich höher ist als der Ertrag, bleibt die Zisterne trotz großem Volumen zeitweise leer. Wenn der Ertrag höher ist als der Bedarf, führt ein noch größerer Speicher nicht automatisch zu mehr Nutzung. Entscheidend ist die Jahresbilanz plus die Frage, wie lange trockene Phasen überbrückt werden sollen.
Der Ratgeber Zisternengröße richtig bestimmen erklärt den Unterschied zwischen Nutzvolumen und Nennvolumen. Das Rechnergebnis beschreibt das nutzbare Speichervolumen; der gekaufte Tank kann größer sein, weil Überlauf, Zulaufberuhigung und Restwasser über der Pumpe Platz brauchen.
Für die Produktauswahl heißt das: erst Nutzvolumen plausibilisieren, dann die Einbausituation prüfen. Ein handelsübliches Nennvolumen wird erst danach sinnvoll vergleichbar.
Was bedeutet der Deckungsgrad einer Zisterne?
Der Deckungsgrad einer Zisterne zeigt, welcher Anteil des angesetzten Brauchwasserbedarfs in der Jahresbilanz durch Regenwasser gedeckt werden kann. Er ist eine Kontrollzahl im Zisternengrößen-Rechner, keine Garantie für jeden einzelnen Tag.
Ein Beispiel: Wenn im Jahr 54 m³ Regenwasser nutzbar ankommen und 60 m³ Brauchwasserbedarf angesetzt werden, liegt der rechnerische Deckungsgrad bei 90 Prozent. Die restlichen 10 Prozent müssten aus Trinkwasser oder einer anderen Quelle kommen. Liegt der Ertrag über dem Bedarf, kann der Deckungsgrad rechnerisch bis 100 Prozent steigen; mehr als der Bedarf lässt sich aber nicht sinnvoll decken.
Wichtig ist die Lesart. Der Deckungsgrad sagt nicht, dass die Zisterne zu jeder Woche des Jahres Wasser liefert. Er glättet trockene Sommer, nasse Monate und wechselnde Nutzung zu einer Jahreszahl. Nach mehreren trockenen Wochen kann auch eine Anlage mit hohem Deckungsgrad leer sein.
Darum bewertet WasserTools keinen pauschalen Zielwert als “gut”. Ein Gartenanschluss darf eher ausfallen als eine Nutzung für WC und Waschmaschine im Haus. Wie Ertrag, Bedarf, Trockenperiode und Speichervolumen zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Zisternengröße richtig bestimmen.
Für die Auslegung ist der Wert vor allem ein Warnsignal: sehr niedrige Werte deuten auf zu wenig Ertrag oder zu hohen angesetzten Bedarf hin.
Erdtank oder Kellertank: Was ist der Unterschied?
Ein Erdtank wird außerhalb des Hauses eingegraben, ein Kellertank steht im Gebäude und belegt dort Nutzfläche. Für die reine Größenrechnung im Zisternengrößen-Rechner zählt zuerst das nötige Nutzvolumen; die Tankbauart entscheidet anschließend über Einbau, Zugänglichkeit und Platzbedarf.
Der Erdtank spart Kellerraum und liegt im Boden frostgeschützt. Dafür braucht er Aushub, eine passende Einbausituation, tragfähigen Untergrund und einen sinnvoll geführten Überlauf. Bei Bestandsgebäuden ist der Garten oft der einzige Ort, an dem größere Speichervolumen überhaupt unterzubringen sind.
Der Kellertank ist einfacher zu kontrollieren und kann modular aufgebaut sein. Er braucht aber genügend Innenraum, eine geeignete Aufstellfläche und einen Weg, auf dem Tankmodule ins Gebäude kommen. In Neubauten lässt sich das einplanen; im Bestand scheitert es oft an Türen, Treppen, Raumhöhe oder verlorener Nutzfläche.
Die Wahl ersetzt nicht die Volumenrechnung. Erst sollte klar sein, welches Nutzvolumen zu Regenwasserertrag, Brauchwasserbedarf und Trockenperiode passt. Danach prüfst du, ob dieses Volumen als Erd- oder Kellertank realistisch eingebaut werden kann. Die Grundlagen zur Bandbreite erklärt der Ratgeber Zisternengröße richtig bestimmen.
Auch Wartung und Leitungswege gehören in diese Entscheidung: zugänglich ist nicht automatisch besser, wenn dadurch lange oder ungünstige Leitungswege entstehen.